Bozen. Inklusion geht auch über die Schönheit. In der Italienallee (Corso Italia) in Bozen ist der Friseursalon „Unique“ feierlich eröffnet worden, verwirklicht vom gleichnamigen Verein. Es ist kein Salon wie jeder andere, „sondern ein viel besonderer“, versichert Daniela Plazzer, die ihre zehnjährige Erfahrung als Friseurin ehrenamtlich in den Salon einbringen wird. Zur Eröffnungsfeier kamen Bürgermeister Claudio Corrarati, Stadträtin Patrizia Brillo, Gemeinderätin Patrizia Daidone und Ulrich Seitz, Persönlicher Beauftragter des Bürgermeisters für die Belange von Menschen mit Behinderung und Direktor des DZE Südtirol.

„Der Salon entsteht mit dem Ziel, jungen Menschen mit Behinderung, die gerade ihren Schulabschluss gemacht haben, eine Beschäftigung zu geben“, erklärt Daniela Plazzer. Der Gedanke dahinter: Junge Menschen mit Behinderung werden nach der Oberschule „nicht sofort wie viele Gleichaltrige in die Arbeitswelt aufgenommen, sondern müssen Jahre warten. Das weiß ich aus eigener Erfahrung“, fügt die Friseurin hinzu.

Das Projekt sieht vor, dass mindestens zwei junge Menschen im Salon mitarbeiten, Seite an Seite mit ehrenamtlichen Fachkräften. „Derzeit bin ich die einzige Fachkraft, deshalb sind vorerst nur zwei junge Frauen von 18 und 19 Jahren vorgesehen.“ Plazzer hält Unique für eine der ersten Erfahrungen dieser Art in Italien: Pizzerien und Gastbetriebe, die Menschen mit Behinderung beschäftigen, gibt es bereits; im Friseur- und Kosmetikbereich sind vergleichbare Initiativen dagegen selten.

Der Verein besteht aus sieben Mitgliedern: Präsident Michele Cristiani, Vizepräsident Andrea Eposito, Schriftführerin und Kassierin Angela Lisi sowie die Ausschussmitglieder Daniela Plazzer, Cristina Cuda, Ornella Cesaro und Valter Plazzer. Alle haben mit Zeit, Arbeit und Einsatz zur Verwirklichung des Salons beigetragen. Auch die Handwerker, die die Räume hergerichtet haben, haben sich solidarisch beteiligt und nur die Materialkosten verrechnet. Trotzdem waren die Ausgaben hoch, haben aber einen in jeder Hinsicht vollwertigen Salon möglich gemacht.

Wer die Dienste in Anspruch nehmen will, muss Mitglied des Vereins werden: Die Mitgliedschaft ermöglicht den Zugang zu den Leistungen und trägt zugleich zu den laufenden Kosten und den bereits getätigten Investitionen bei. Auch die jungen Menschen werden zunächst ehrenamtlich mitarbeiten. Das Ziel ist jedoch ehrgeizig: „Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, dass daraus für sie – und hoffentlich auch für andere junge Menschen – ein vollwertig bezahlter Arbeitsplatz wird. Die Arbeit in einem Salon besteht nicht nur aus Haareschneiden oder Föhnen. Es gibt viele andere wichtige Aufgaben: die Kundin oder den Kunden empfangen, zuhören, für Wohlbefinden sorgen und lernen, auf Menschen zuzugehen“, so Plazzer.

Das zweite Ziel des Projekts ist es, den Menschen zu zeigen, wie sie diesen jungen Leuten ganz natürlich begegnen können, und deutlich zu machen, dass es keine Barrieren gibt – jene Barrieren, wegen derer junge Menschen mit Behinderung oft auf „versteckte“ Aufgaben ohne direkten Kontakt zum Publikum verwiesen werden.